Archive for the ‘Kreativität und Eigentum’ Category

Schmitz #5: … also bitte.

Zur Lage: Schmitz also erstmal verhaftet, Megaupload.com zeigt ins Nirvana und Streaming-Nutzer verpassen die neue Folge Big Bang Theory.

Fefe verweist zum Thema Kimble auf diesen Artikel (runterscrollen). Und da werden nur die frühen Aspekte dieser schillernden Persönlickeit aufgezeigt… ich wiederhole mich.

Anonymous zeigen sich, wie üblich, not amused und DDoSen Server des US-Justizministeriums und der RIAA. Klassische Reaktion also. Die Argumentation: “Jetzt machen sie wegen Raubkopien die Filehoster dicht, man könnte genausogut New York schließen, weil man da Drogen kaufen kann.”, sprich: Megaupload und co. dienen lediglich als Infrastruktur, sobald andere diesen Service für das Hosten von urheberrechtlich geschützem Material nutzen, greift DMCA und der Urheberrechtsinhaber kann das bei MU auch geltend machen.

Diese Argumentation ist so nicht ganz falsch, die Frage lautet aber anders: Wer verdient hier mit was? Und wie viel?

Auf der Liste der zu beschlagnahmenden Dinge finden sich neben diversen Konten und Bargeldbeständen auch diverse Luxusautos, darunter ein Maserati Grancabrio, ein Mercedes-Benz E500 Coupé, je ein Mercedes-Benz CLK DTM mit dem Nummernschild “Good” und “Evil”, ein Mercedes-Benz S65 mit Nummernschild “CEO”, ein Rolls-Royce Phantom Drop Head Coupé mit dem Nummernschild “God”, ein Mercedes-Benz E63 AMG mit dem Nummernschild “Stoned”, ein Mercedes-Benz ML63 AMG mit dem Nummernschild “Guilty”, ein Mercedes-Benz CL65 AMG und ein Mercedes-Benz ML63 AMG mit dem Nummernschild “Mafia”. Auch diverse Fernseher bis hin zu einer Größe von 108 Zoll stehen auf der Liste.

Quelle: Golem

Man kann es erahnen. Die Tatsache, dass wohl genug Leute bereit sind, für den einfachen Zugriff auf Raubkopien Geld zu zahlen, für Premium-Accounts etc., spricht zwar dafür, dass auch legale Angebote mit einer realistischen Preisstruktur, viabel sein können, moralisch ist das alles aber hoch fragwürdig. Kimble hat ein Vermögen damit verdient, die “geprellten” Künstler haben keinen Pfennig gesehen. DAS ist das Problem an solchen Diensten. Am dezentralen BitTorrent z.B. verdient ja erstmal niemand wirklich, die paar Werbeeinblendungen auf den Torrent-Seiten werden so lukrativ nicht sein und z.B. Scrapetorrent trägt sich über Spenden gerade so selbst.

Wenn wir also schon damit argumentieren, Filesharing sei eine Kulturleistung und die Vertriebs- und Verwertungsstrukturen müssten darauf reagieren und reformiert werden, etc., dann sollten wir so Leuten wie Kim Schmitz nicht auch noch Geld in den Rachen schieben sondern lieber weiter an einer offenen, dezentralen “Infrastruktur Internet” arbeiten, die man nicht mal eben mit einem FBI-Ausflug nach Neuseeland abschalten kann.

P.S.: Reddit-User ctolsen stellt die berechtigte Frage und seddition hat die Antwort:

They didn’t get arrested for running MegaUpload. They got arrested for being incredibly fucking stupid and documenting the fact that they used Megaupload for criminal purposes. If they had just quitely taken files for themselves and not put in writing how they were intentionally using the site for illegal purposes, it would still be up and running. Most crimes aren’t solved by top notch police work, they are solved by criminals being stupid fucking loud mouths.

Schmitz #4: wtf?

Das FBI hat Megaupload dicht gemacht und Kimble verhaftet.

The individuals each face a maximum penalty of 20 years in prison on the charge of conspiracy to commit racketeering, five years in prison on the charge of conspiracy to commit copyright infringement, 20 years in prison on the charge of conspiracy to commit money laundering, and five years in prison on each of the substantive charges of criminal copyright infringement.

The indictment alleges that the criminal enterprise is led by Kim Dotcom, aka Kim Schmitz, and Kim Tim Jim Vestor, 37, a resident of both Hong Kong and New Zealand. Dotcom founded Megaupload Limited and is the director and sole shareholder of Vestor Limited, which has been used to hold his ownership interests in the Mega-affiliated sites.

Quelle: FBI-Pressemitteilung

Kim Tim Jim Vestor?

 

Diddy, Dogg, West, Schmitz #3

Nachdem Universal nun länger mit einer Erklärung für das Entfernen von Megauploads Werbevideo (wir berichteten) auf sich warten ließ, gibt es heute Neuigkeiten. Ars Technica berichtet:

Universal Music Group has responded to Megaupload’s request for a temporary restraining order barring the music giant from further interference with the distribution of its “Mega Song.” UMG insists that it had a right to take down the video—not under the Digital Millennium Copyright Act, as Megaupload had assumed, but under a private contractual arrangement between UMG and YouTube.

Ach ja, klar… wir sind natürlich alle sofort davon ausgegangen, UMG habe eine DMCA-Beschwerde eingereicht. Mitnichten! UMG hat nur im Zuge des VEVO-Deals ein Zusatzabkommen mit Google/YouTube getroffen, dass sie das Löschen von Content ab jetzt selbst in die Hand nehmen können, indem sie Zugriff auf das YouTube-Content-Management erhalten. Wie praktisch. Das ist also gar nicht ein fälschlicher Misbrauch von Rechtsmitteln, das ist schlicht gute, alte Zensur :-)

UMG underscored the point by including a letter UMG lawyer Kelly Klaus sent to YouTube on Wednesday. In that letter, Klaus wrote: “[...] As you know, UMG’s rights in this regard are not limited to copyright infringement, as set forth more completely in the March 31, 2009 Video License Agreement for UGC Video Service Providers, including without limitation Paragraphs 1(b) and 1(g) thereof.”

Warum das geht? Weil das Unternehmen sind, keine Behörden. Das Werbevideo passte UMG halt irgendwie nicht, weil es eben von Megaupload stammt. Das ist der gesamte Grund, und wie es scheint laut deren Vereinbarung mit YouTube auch ausreichend legitim.

Vielleicht sollten sich die ganzen Blogosphere-Hipster-Post-Privacy-Verfechter das nochmal vor Augen führen: klar sind Facebook, Twitter, YouTube und co. für irgendwen, irgendwie praktisch nutzbar, keine Frage. Aber das im letzten Jahr so viel beschworene demokratische Moment des Netzes, das angeblich eben durch diese Plattformen zustande kam (siehe Occupy, siehe Ägypten etc.), ist so nur durch Dezentralisierung auch zu erhalten. In dem Moment wo Facebook Inc. genug Zucker in den Arsch geblasen wird, könnt ihr euch euren freien Meinungsaustausch dort gepflegt an den Hut stecken. Oder bei Twitter. Oder bei jedem anderen Unternehmen.

Das ist alles käuflich, der Preis ist nur noch nicht ausgehandelt.

Diddy, Dogg, West, Schmitz #2

OK, jetzt wird es wirklich absurd: Universal Censors Megaupload Song, Gets Branded a “Rogue Label”

In Kürze: Das komische Megaupload-Werbevideo (wir berichteten) wurde auf Basis einer Copyright-Beschwerde von Universal offline genommen. Was? OK, also: Die Plattenfirma Universal hat Kimbles Video bei YouTube wegen angeblicher Verletzung ihrer Rechte angeschwärzt, YouTube hat das ungeprüft übernommen und jetzt wird man dort von diesem YouTube-wir-haben-ein-Problem-Fuckface begrüßt.

Torrentfreak “berichtet” dazu mal wieder nur aus der Perspektive von Megaupload, eine Stellungnahme von UMG habe ich noch nicht finden können. Prinzipiell aber interessant, zu lesen, was z.B. die  EFF dazu sagt:

“This appears to be yet another example of the kind of takedown abuse we’ve seen under existing law — and another reason why Congress should soundly reject the broad new powers contemplated in the Internet Blacklist Bills, aka SOPA/PIPA.

If IP rightholders can’t be trusted to use the tools already at their disposal — and they can’t — we shouldn’t be giving them new ways to stifle online speech and creativity,” McSherry concludes.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier trotzdem was fischig ist. Vielleicht soll gar nicht das Video viral gehen, sondern der Takedown? Ach, Herr Schmitz, was führen sie im Schilde?

Diddy, Dogg, West, Schmitz

Es ist eine der seltsamsten Meldungen, die ich zu diesem Thema je gelesen habe:

RIAA Label Artists & A-List Stars Endorse Megaupload In New Song, Zitat:

MegaUpload is currently being portrayed by the MPAA and RIAA as one of the world’s leading rogue sites. But top music stars including P Diddy, Will.i.am, Alicia Keys, Snoop Dogg and Kanye West disagree and are giving the site their full support in a brand new song. TorrentFreak caught up with the elusive founder of MegaUpload, Kim Dotcom, who shrugged off “this rogue nonsense” and told us he wants content owners to get paid.

OK, wo soll ich anfangen? Zunächst einmal der “Song”, der eher wie ein aufwendig produzierter Werbeclip daherkommt:

Soweit so seltsam. Nicht, dass ich von irgendeinem der Beteiligten irgendeine Art von Selbstachtung erwarten würde, wie immer gilt: wer zahlt schafft an. In diesem Fall eben Megaupload. Die fadenscheinigen Promi-Testimonies wirken irgendwie eingekaufter als sonst üblich; ich musste das Ding auch nach 30 Sekunden wegdrücken…

Zurück zum Artikel: Der Chef von Megaupload ist bekanntermaßen Kim Schmitz alias Kimble alias Kim Dotcom. Über den Mann ist eigentlich schon alles gesagt worden: Selbsternannter Hacker, Dot-Com-Investor im großen Stile, mehrfach verurteilt wegen Computerkriminalität (Handel mit Calling Cards) und Kapitalanlagebetrug (letsbuyit.com), Mailinglisten-Troll, immer für einen Medienstunt zu haben (Pseudoselbstmorddrohung, Gumball Rally) und der einzige Mensch, der auf allen Veranstaltungen des CCC pauschal Hausverbot hat… noch Fragen?

Der Inhalt des Torrentfreak-Artikels spricht auch für sich und liest sich wie eine Pressemitteilung direkt von Megaupload. So ein paar Ideen von Herrn Schmitz hinterlassen zumindest bei mir einen faden Beigeschmack:

When Megakey is installed the software asks permission to modify where 10 to 15% of the user’s online advertising experience is sourced from.

Ähm, wie bitte?

“It works like an ad blocker but instead of blocking ads we show ads coming from Megaclick, our ad network,” says Kim. “This way we will generate enough ad revenue to provide free premium services and licensed content so that our users can have it for free.”

Mit dem so generierten revenue wollen Sie dann die royalties löhnen, damit sich jeder Nutzer via Megairgendwas runterladen kann, was er möchte. Damit stoßen Sie ein Tor auf, das lieber geschlossen bleiben sollte: auf Clientseite modifizierter Online-Content gegen irgendwelche Free Services. Ich hätte da gleich noch ein paar Ideen bezüglich Facebook, die behalte ich aber lieber für mich…

Und um sicherzustellen, dass ihr Kram auch noch funktioniert, wenn Netzneutralität komplett flöten geht, haben sie schon gegen DNS-Sperren vorgesorgt:

During the course of our discussion with Kim we also discovered an interesting feature that has been built into Megakey. Once installed the whole range of Mega sites can be accessed without the need to use the Internet’s DNS system, meaning that should SOPA kick in and the US government seizes Mega’s domains, users can still access the site.

Das Gute™ und das Böse® lagen glaube ich in dieser Debatte noch nie so nah beeinander wie hier…

Kreativität und Eigentum und die Grünen und mehr!

  • Da gerade aus dem Lager der Verwertungsgesellschaften viel Meinungsmache dazu herrscht, hier gibts den Entwurf des  Leitantrags der BDK der Grünen in Gänze zum Nachlesen. Und hier eine Einschätzung dazu von Metronaut.
  • Schöne Idee: ein Font mit Copyleft-Zeichen.
  • “95 % unserer Kunden verwenden Schwarzkopien” – interessant: sie bezeichnen die Raubkopierer trotzdem als Kunden…
  • Und charmanter sind wir noch nie über die Gefahren von Raubkopien aufgeklärt worden als hier:

Transit 4: Die Plakate

Das hatte ich ganz vergessen: ich wollte ja noch erklären, was es mit den drei Transit-4-Plakaten genau auf sich hatte:

Links: Das ist wohl das eindeutigste und verständlichste von den dreien. Ich habe ein bisschen später rausgefunden, dass ich auch nicht der erste bin, der diese Idee hatte (was ich allerdings weder schlimm noch überraschend finde…). Was hat aber nun Walt Disney mit Urheberrecht und geistigem Eigentum zu tun? Nunja, auf der einen Seite ist die Firma maßgeblich daran beteiligt, dass die Fristen, in denen (zumindest in den USA) das Urheberrecht nach dem Tod eines Autors ablaufen, ständig verlängert werden. Disney hat panische Angst davor, dass z.B. die Figur Mickey Mouse gemeinfrei werden könnte, was bedeuten würde, dass jeder Sie zeichnen und publizieren darf, wie er möchte. Anderen Cartoon-Klassikern wie z.B. Betty Boop oder Popeye ist das schon “passiert”, eine negative Konsequenz ist mir bisher nicht bekannt.

Bis dahin werden Disney alles in ihrer Macht stehende tun, um ihre Filme und Figuren so weit wie möglich zu monetarisieren, auch wenn das bedeuten sollte, einem Kindergarten mit rechtlichen Konsequenzen zu drohen.

Die andere Seite der Medaille ist, dass fast alle Geschichten die Disney erzählt Abwandlungen von Märchen, Sagen, Legenden etc. sind, die natürlich nicht auf Disney’s Mist gewachsen sind. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, es geht aber noch weiter: besonders ältere Disney-Streifen bedienen sich in ihrer Bildsprache sehr oft bei Vorbildern aus der europäischen Malerei. Auch daran ist nichts verkehrtes, es unterstreicht nur, dass jede kreative Leistung eben ein Aggregat von Einflüssen ist. Problematisch wird es allerdings, wenn ein Film so nah an seinen Vorbildern ist, dass es fast weh tut:

Mitte: Dieses Motiv ist quasi eine typographische Parodie auf das berühmte T-Shirt “John&Paul&Ringo&George”, das Experimental Jetset im Jahr 2001 für das japanische Label 2K/Gingham entwarfen.

Das Motiv wurde “Opfer” zahlreicher Kopisten und Parodisten:

As we already wrote, we designed these shirts in 2001. Around the beginning of 2003, we noticed something interesting: in addition to these shirts being sold really well (it was quite an unexpected success), people started sending us images of self-made shirts that were referring to our shirts, either as homage, tribute or parody.

Jeder, der ein bisschen offene Augen für T-Shirt-Design hat, kennt John&Paul&Ringo&George oder zumindest eine der zahlreichen Abwandlungen.

Dass so ein simples und minimalistisches Design in Helvetica Bold so oft zitiert wird und einen so hohen Widererkennungswert hat, fasziniert mich; The medium is the message (Marshall McLuhan), aber: without the message, the medium is nothing (ich). Also habe ich mich bei Schorschs Diplom-Abstract bedient (vielen Dank an dieser Stelle) und die vier aktuell interessantesten Fälle von Beim-Klauen-erwischt-werden in Deutschland genommen und Sie in das typographische Template gezwängt: Silvana&Karl-Theodor&Helene&Bushido.

Ich werde jetzt hier nicht detailliert auf die vier eingehen, nur kurz zusammengefasst:
Silvana Koch-Mehrin und Karl-Theodor zu Guttenberg haben beide 2011 wegen nachgewiesener Plagiatsvergehen in ihren Dissertationen ihre Doktortitel abgeben müssen, das haben die meisten ja mitbekommen und ich will das hier nicht nochmal breittreten…
Helene heißt Hegemann mit Nachnamen und löste mit ihrem Roman Axolotl Roadkill und ihrem eher lockeren Umgang mit den Texten anderer eine große Medienkontroverse aus.
Und zu guter letzt ein, aus irgendeinem Grund anhaltendes Thema in diesem Blog: Bushido. Der Koks-und-Nutten-Superstar nimmt es zwar mit den Rechten Dritter nicht so genau, wenn es um seine eigenen Produktionen geht, aber wehe man bezieht diese dann über Filesharing:

Der Berliner Rapper Bushido gehört zu den wenigen Künstlern, die das lukrative Geschäft der Filesharing-Abmahnungen selbst in die Hand genommen haben. Aktuell mahnt Bushido (Abmahnschreiben der Rechtsanwälte Bindhardt, Fiedler, Rixen und Zerbe vom 14.01.2010) den Titel “Eine Chance/Zu Gangsta” von dem Sampler “Bravo Black Hits Vol. 21″ ab. Gestützt wird die Abmahnung auf einen Auskunftsbeschluss des Landgerichts Köln vom 22.09.2009 (9 OH 1532/09).

Quelle: internet-law.de

Rechts: Dieses Motiv ist eine Gruppenleistung von Tom, Marah und mir nach dem dritten Bier. Der Satz ist Paul Watzlawicks berühmtes Axiom “Man kann nicht nicht kommunizieren!” in Abwandlung, also als manipulierte Quelle um meine Aussage in sich zu verstärken (“manipulate the source to amplify the message”, geklaut aus dem ersten Teil von Jon Leideckers hervorragender Reihe “Variations – the history of appropriative collage in music”). Rekursiv quasi. Monochroms Variante “Nicht nicht kommunizieren gilt nicht!” gefällt mir persönlich ja besser.