Archive for the ‘Kreativität und Eigentum’ Category

Kreativität und Eigentum und die Grünen und mehr!

  • Da gerade aus dem Lager der Verwertungsgesellschaften viel Meinungsmache dazu herrscht, hier gibts den Entwurf des  Leitantrags der BDK der Grünen in Gänze zum Nachlesen. Und hier eine Einschätzung dazu von Metronaut.
  • Schöne Idee: ein Font mit Copyleft-Zeichen.
  • “95 % unserer Kunden verwenden Schwarzkopien” – interessant: sie bezeichnen die Raubkopierer trotzdem als Kunden…
  • Und charmanter sind wir noch nie über die Gefahren von Raubkopien aufgeklärt worden als hier:

Transit 4: Die Plakate

Das hatte ich ganz vergessen: ich wollte ja noch erklären, was es mit den drei Transit-4-Plakaten genau auf sich hatte:

Links: Das ist wohl das eindeutigste und verständlichste von den dreien. Ich habe ein bisschen später rausgefunden, dass ich auch nicht der erste bin, der diese Idee hatte (was ich allerdings weder schlimm noch überraschend finde…). Was hat aber nun Walt Disney mit Urheberrecht und geistigem Eigentum zu tun? Nunja, auf der einen Seite ist die Firma maßgeblich daran beteiligt, dass die Fristen, in denen (zumindest in den USA) das Urheberrecht nach dem Tod eines Autors ablaufen, ständig verlängert werden. Disney hat panische Angst davor, dass z.B. die Figur Mickey Mouse gemeinfrei werden könnte, was bedeuten würde, dass jeder Sie zeichnen und publizieren darf, wie er möchte. Anderen Cartoon-Klassikern wie z.B. Betty Boop oder Popeye ist das schon “passiert”, eine negative Konsequenz ist mir bisher nicht bekannt.

Bis dahin werden Disney alles in ihrer Macht stehende tun, um ihre Filme und Figuren so weit wie möglich zu monetarisieren, auch wenn das bedeuten sollte, einem Kindergarten mit rechtlichen Konsequenzen zu drohen.

Die andere Seite der Medaille ist, dass fast alle Geschichten die Disney erzählt Abwandlungen von Märchen, Sagen, Legenden etc. sind, die natürlich nicht auf Disney’s Mist gewachsen sind. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, es geht aber noch weiter: besonders ältere Disney-Streifen bedienen sich in ihrer Bildsprache sehr oft bei Vorbildern aus der europäischen Malerei. Auch daran ist nichts verkehrtes, es unterstreicht nur, dass jede kreative Leistung eben ein Aggregat von Einflüssen ist. Problematisch wird es allerdings, wenn ein Film so nah an seinen Vorbildern ist, dass es fast weh tut:

Mitte: Dieses Motiv ist quasi eine typographische Parodie auf das berühmte T-Shirt “John&Paul&Ringo&George”, das Experimental Jetset im Jahr 2001 für das japanische Label 2K/Gingham entwarfen.

Das Motiv wurde “Opfer” zahlreicher Kopisten und Parodisten:

As we already wrote, we designed these shirts in 2001. Around the beginning of 2003, we noticed something interesting: in addition to these shirts being sold really well (it was quite an unexpected success), people started sending us images of self-made shirts that were referring to our shirts, either as homage, tribute or parody.

Jeder, der ein bisschen offene Augen für T-Shirt-Design hat, kennt John&Paul&Ringo&George oder zumindest eine der zahlreichen Abwandlungen.

Dass so ein simples und minimalistisches Design in Helvetica Bold so oft zitiert wird und einen so hohen Widererkennungswert hat, fasziniert mich; The medium is the message (Marshall McLuhan), aber: without the message, the medium is nothing (ich). Also habe ich mich bei Schorschs Diplom-Abstract bedient (vielen Dank an dieser Stelle) und die vier aktuell interessantesten Fälle von Beim-Klauen-erwischt-werden in Deutschland genommen und Sie in das typographische Template gezwängt: Silvana&Karl-Theodor&Helene&Bushido.

Ich werde jetzt hier nicht detailliert auf die vier eingehen, nur kurz zusammengefasst:
Silvana Koch-Mehrin und Karl-Theodor zu Guttenberg haben beide 2011 wegen nachgewiesener Plagiatsvergehen in ihren Dissertationen ihre Doktortitel abgeben müssen, das haben die meisten ja mitbekommen und ich will das hier nicht nochmal breittreten…
Helene heißt Hegemann mit Nachnamen und löste mit ihrem Roman Axolotl Roadkill und ihrem eher lockeren Umgang mit den Texten anderer eine große Medienkontroverse aus.
Und zu guter letzt ein, aus irgendeinem Grund anhaltendes Thema in diesem Blog: Bushido. Der Koks-und-Nutten-Superstar nimmt es zwar mit den Rechten Dritter nicht so genau, wenn es um seine eigenen Produktionen geht, aber wehe man bezieht diese dann über Filesharing:

Der Berliner Rapper Bushido gehört zu den wenigen Künstlern, die das lukrative Geschäft der Filesharing-Abmahnungen selbst in die Hand genommen haben. Aktuell mahnt Bushido (Abmahnschreiben der Rechtsanwälte Bindhardt, Fiedler, Rixen und Zerbe vom 14.01.2010) den Titel “Eine Chance/Zu Gangsta” von dem Sampler “Bravo Black Hits Vol. 21″ ab. Gestützt wird die Abmahnung auf einen Auskunftsbeschluss des Landgerichts Köln vom 22.09.2009 (9 OH 1532/09).

Quelle: internet-law.de

Rechts: Dieses Motiv ist eine Gruppenleistung von Tom, Marah und mir nach dem dritten Bier. Der Satz ist Paul Watzlawicks berühmtes Axiom “Man kann nicht nicht kommunizieren!” in Abwandlung, also als manipulierte Quelle um meine Aussage in sich zu verstärken (“manipulate the source to amplify the message”, geklaut aus dem ersten Teil von Jon Leideckers hervorragender Reihe “Variations – the history of appropriative collage in music”). Rekursiv quasi. Monochroms Variante “Nicht nicht kommunizieren gilt nicht!” gefällt mir persönlich ja besser.

Auswüchse der Gemazumutung

Lesenswerter Artikel auf Kraftfuttermischwerk: Die GEMA kassiert für eine Veranstaltung, auf der einzig CC-Musik lief.

tl;dr: Der Veranstalter einer Party in Weimar, auf der ausschließlich CC-lizensierte Tracks aufgelegt wurden, wurde von der GEMA aufgefordert, Tracklisten einzureichen um zu beweisen, dass wirklich keine GEMA-pflichtige Musik lief. Das ist soweit nicht neu und auch nicht ungewöhnlich, gibt es doch die GEMA-Vermutung, die besagt, das die Beweislast gegen die GEMA-Pflichtigkeit beim Veranstalter liegt und nicht bei der VG. Sonst würden nach GEMA-Preisliste 200 Euro für die Veranstaltung fällig.

Der Versuch des Veranstalters diese Beweise auch zu bringen, gipfeln aktuell mit der völlig unlegitimierten Forderung der GEMA, die Trackliste müsste die Klarnamen der Urheber enthalten. Diese sind auch mit hohem Rechercheaufwand oft nur schwer herauszufinden, insbesondere bei einer Listenlänge von über hundert Titeln. Der Veranstalter gab schließlich auf und löhnte.

Der Artikel schließt mit:

Warum ich das schreibe: weil ich damit als CC-Musiker Geld in die Kassen der GEMA bringe und weil ich das für äußerst paradox halte.

Amen, brother.

RIP: A Remix Manifesto

Wer den Film “RIP: A Remix Manifesto” noch nicht gesehen hat, hat auf der offiziellen Website die Gelegenheit dies nachzuholen, und interessanterweise unter der Devise “Zahl, was es dir wert ist” (leider nur via Paypal).

Wer den Film dann gesehen hat, klickt nochmal hier und liest folgendes:

Educational Licensing
Price Per DVD: $200.00

The educational license provides additional usage options. This licensed version comes with limited performance rights so they can be shown in classrooms, at PTA meetings, during after school programs, and transmitted on a closed-circuit system within a building or on a single campus. They also can be enjoyed in admission-free public screenings by library patrons and businesses involved in community clubs and organizations.

Bin ich der einzige, der das dann doch ein bisschen seltsam findet? Vor allem im Hinblick auf diese ganze Brasilien-Wir-klauen-aus-Gründen-der-Bildung-weil-wir-arm-sind-Nummer…

Trotzdem guter Film.

Stoffsammlung “Kreativität und Eigentum”

Hallo Welt.

Zum Loslegen eine kleine Link-Sammlung die ich in meiner Recherche zu meinem Symposium “Transit 4 – Kreativität und Eigentum” zusammengetragen habe:

Wer noch mehr hat, her damit!