Ein dreifach Tusch. Ja ich weiß, alter Scherz, auch keiner der Besten. Nur eine passende Einleitung für ein kurzes Geständnis hier im Netz, weils kaum einer liest und weil ich mir im echten Leben für Rechtfertigungen zu schade bin:
Ich finde Misogynie manchmal lustig.
Das stimmt eigentlich nicht mal. Sachen über die ich lachen kann fallen in eine von 4 Kategorien: Gemein, absurd, dumm oder, und das ist die schlimmste, so gemein dass DU nicht darüber lachen kannst. Oder nochmal in klareren Worten: ich kann über gewisse Dinge nur so schallend und anhaltend lachen, weil sie irgendjemand der Anwesenden nicht angebracht/korrekt/fein findet. Das geht natürlich fast nur außerhalb dessen, was als politisch korrekt gilt. Pikierend pikant.
Jetzt sind meine Freunde, Bekannten, Kollegen und ich natürlich auf irgendeine Art und Weise bildungsbürgerliche, als Kind in Moralin gefallene, soziopolitisch-afgeklärte und idealistisch aufrechte Arschlöcher und genau mit solchen Leuten umgeben wir uns in der Öffentlichkeit ja auch. In politisch bewussten Kneipen wo selbst der Essigreiniger unter der Spüle noch vegan ist und einen Hauch Migrationshintergrund versprüht. Das macht es mir humoristisch natürlich einfach, obwohl ich wirklich nichts gegen irgendwas davon einzuwenden habe. Gerade weil ich aber nicht mehr oder weniger Vorurteile gegen unterdrückte Mehr- oder Minderheiten hege als mein bildungsbürgerliches Gewissen es mir erlaubt, will ich wenigstens darüber lachen und scherzen dürfen, wie absurd diese Vorurteile oft sind. Quasi Subversion durch Affirmation durch Übertreibung durch Anti-Anti.
Wiedemauchsei, eines dieser Themen mit denen man leicht diesen Effekt erzielen kann sind natürlich Geschlechterunterschiede. Wobei mir bis heute noch ein wirklich guter Witz über Männer begegnen muss, aber vielleicht ist das auch wieder selektive Wahrnehmung. Ich jedenfalls kriege Atemnot bei Kalauern wie “Herdanziehungskraft” oder “Frauen sind wie Ausländer, kennste einen, kennste alle.” (K.I.Z., doppelte Atemnot).
Von daher: liebe Frauen aber auch Ausländer, Behinderte, Blondinen, Vegetarier, Veganer, Homo-, Bi-, Trans-, Pan-, A- und Polysexuelle: ich entschuldige mich im Voraus, nicht böse sein, es ist nicht so gemein(t).
Wenn David Lynch Rapmusik mögen würde, wäre er begeistert. Dieser Mann lebt nach dem Posdunous-Mantra “Every word I say should be a hip hop quotable.”. Stakes is high und so.
Einer der wenigen, wirklich großartigen amerikanischen Stand-Ups zur Zeit, Louis C.K. veröffentlichte heute sein neuestes Special, ausschließlich online, komplett in Eigenregie (kein Verleih oder sonstiges) und komplett DRM-frei.
Dazu gibt es eine charmante Erklärung von Louis:
To those who might wish to “torrent” this video: look, I don’t really get the whole “torrent” thing. I don’t know enough about it to judge either way. But I’d just like you to consider this: I made this video extremely easy to use against well-informed advice. I was told that it would be easier to torrent the way I made it, but I chose to do it this way anyway, because I want it to be easy for people to watch and enjoy this video in any way they want without “corporate” restrictions.
Please bear in mind that I am not a company or a corporation. I’m just some guy. I paid for the production and posting of this video with my own money. I would like to be able to post more material to the fans in this way, which makes it cheaper for the buyer and more pleasant for me. So, please help me keep this being a good idea. I can’t stop you from torrenting; all I can do is politely ask you to pay your five little dollars, enjoy the video, and let other people find it in the same way.
Sincerely,
Louis C.K.
Natürlich landete das Ding sofort auf Pirate Bay, wiederum mit einer charmanten, wenn auch grammatikalisch und ortographisch fragwürdigen, Erklärung des Uploaders namens “atndigcrk”:
yea its the new one yea i kinda feel bad putting it here but people like louis ck gotta realize without torrents and the net he wouldnt be anywhere bc honestly louis i know ur here and i know u mite be mad at me but u gotta realize not everyone has paypal , not everyone has credit cards, some people use net lounges, some have barely money for food, art = comedy should be shared with the mass , and Believe me u can judge the popularity more from the torrent downloads then the paypal sales, also if people like it , its easier to buy on there ipad/ipod or personal/work computers…more buzz = more fales
Hope you understand louie
sorry
Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einem Kommentar-Thread auf Pirate Bay gelesen zu haben, man solle das Werk doch lieber kaufen… davon kann man halten, was man will; eins hat Louis C.K. allerdings verstanden, und die Reaktion auf Pirate Bay beweist das: hör auf, deine Kunden wie Kriminelle zu behandeln und sie werden sich auch weniger wie Kriminelle verhalten.
Oder wie Gabe Newell von Valve es ausdrückt:
“Piracy is not a money issue, its a service issue”
Im RSS-Feed von tagesschau.de plötzlich das Gesicht von Bushido zu erblicken kann nur zwei Dinge bedeuten: entweder er hat mal wieder irgendwas angestellt oder er hat einen weiteren Schritt in Richtung akzeptierter Massenkultur unternommen.
Der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel versteht die Welt nicht mehr. Dass der Berliner Rapper Bushido mit dem Integrationspreis auf der Bambi-Preisverleihung am Donnerstagabend in Wiesbaden ausgezeichnet werde, sei “absurd”. “Bushido steht für Frauen- und Schwulenfeindlichkeit”, sagte Schäfer-Gümbel im Vorfeld der Preisverleihung zu hr-online. Man könne kaum von einer Integrationsleistung sprechen, wenn sich jemand auf dem Rücken anderer profiliere.
Dass ein deutscher Politiker die Welt nicht mehr versteht ist nicht ungewöhnlich. Vor allem zu Themen der Netzpolitik beweisen deutschte Politiker regelmäßig eine Form von Realitätsferne, die man fast schon bewundern muss. Ob Thorsten Schäfer-Gümbel zu diesen Internet-Ausdruckern gehört weiß ich nicht, aber die Parteizugehörigkeit stimmt schon mal, ihre Erwähnung in dem Artikel ist aufgrund des klangvollen Doppelnamens ohnehin redundant. Aber darum geht es hier ja nicht.
Der Artikel lässt mehrere Fragen unbeantwortet: Was soll ein Integrationsbambi sein? Brauchen wir das? Wer hat den schon bekommen? Messen wir dem Bambi vielleicht hier mehr Bedeutung zu als nötig?
Applaus will er Bushido aber verweigern. “Bei mir wird sich keine Hand rühren”, so der SPD-Chef, der sich bereits am Morgen per Twitter-Mitteilung über die Preisvergabe beschwert hatte: “Was die Jury wohl bei Integration dachte? Offenbar nichts.”
Schäfer-Gümbel misst seiner Person hier auch mehr Bedeutung zu als nötig, genauso wie der deutsche Journalismus Twitter zu ernst nimmt. Auch wichtig hat es die Bambi-Jury:
In der Begründung der Bambi-Jury heißt es, der 33-Jährige leiste einen “wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln”. Bushido sei ein “Beispiel für gelungene Integration”. Er setze sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.
Ich bin mit dem Gesamtwerk von Bushido nicht vertraut, wahrscheinlich könnte man jedes einzelne Wort dieser Begründung hier exemplarisch an Textzeilen widerlegen. Prinzipiell muss man ja auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, das in einem Rap-Text vorkommt. Ich bin allerdings einer von vermutlich nur fünf volljährigen Menschen in Deutschland, die sich trauen, offen zuzugeben: Ja, ich habe mir den Bushido-Film “Die Zeiten ändern dich” im Kino angesehen. Der Film ist autobiographisch und mit Bushido selbst in der Hauptrolle, eine bessere Möglichkeit sich selbst ins “rechte” Licht zu rücken gibt es quasi nicht. Von daher ist Bushidos Selbstwahrnehmung aus diesem Film deutlich abzulesen und somit lässt sich auch deutlich sein Hauptwesenszug ableiten: für Geld macht der Typ alles. Sogar der Titel des Films weist darauf hin.
Heute verkauft sich Integration gut. Gestern waren es noch “Gewalt”, “Beef” und “Battle”. Davor war es Untergrund-Getue und “Nutten”, “Blasen”, “Koks”.
Auch Hessens Integrationsminister Hahn stimmte auf Nachfrage von hr-online mildere Töne an. Bushido sei eine umstrittene Person, so Hahn. “Er bedient üble Klischees, aber er nutzt auch seine Popularität, um gute Botschaften zu verbreiten.” Als Beispiel nannte der Minister Integrationsprojekte in Schulen. “Der Preis sollte ihm Ansporn sein”, so Hahn. “Er hat jetzt den Auftrag, sich als Brückenbauer zu profilieren.”
Ungefähr mit der gleichen Begründung hat 2009 der amerikanische Präsident einen Friedensnobelpreis bekommen. Der vorangegangene Satz klingt aber auch nur so lange komisch, bis man im Kopf den richtigen Namen eingesetzt hat, plötzlich erscheint es plausibel, genauso wie viele Menschen einen Medien- und Fernsehpreis für den Urheber des Liedes “Drogen, Sex, Gangbang” für plausibel halten.
Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth bezeichnete Bushido als “eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht”. Der deutsch-tunesische Künstler trete schon seit Jahren mit frauenfeindlichen, homophoben und gewaltverherrlichenden Texten in Erscheinung, so Roth. “Dass er dabei Frauen nur als ‘Schlampen’ bezeichnet und Botschaften wie ‘Schwuchteln verkloppen’ rappt, scheint den Burda-Verlag nicht zu stören.”
Ich bin mir nicht sicher, was alle glauben, welchen öffentlichen Auftrag Burda zu haben scheint… Bushido hat gerade frisch ein Album raus, auf Sony/BMG/Columbia. Deren Verbindung zu Burda kenne ich nicht, und ich muss auch nicht Google anstrengen um mir denken zu können, dass es eine gibt. “Aber Mama! Der hat doch gerade einen Integrationspreis für seine soziale Anstrengung, unter anderem an Schulen, bekommen!” ist halt doch ein schönes Argument warum der Parental Advisory-Sticker auch mal ignoriert werden darf.
Bleibt also weiterhin die Frage der Verantwortlichkeiten: Wer hat sich hier falsch verhalten? Bushido nicht, der ist ein Produkt, Produkte verhalten sich überhaupt nicht. Burda auch nicht, die verkaufen ja Produkte. Das Fehlverhalten liegt also wiedereinmal bei diversen Parteien-Landesvorsitzenden, Integrationsministern, Bürgerrechtsorganisationen, Claudia Roth und nicht zuletzt den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bzw. deren Journalisten. Sie alle hätten sich auch am Arsch lecken lassen können, denn in Wirklichkeit interessiert sich keiner von denen auch nur einen Deut mehr für Bushido als du und ich.
P.S.: Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Eintrag voll in die PR-Buzz-Falle getappt bin, da das hier aber so gut wie niemand liest, ist mir das egal.
P.P.S.: Natürlich bete ich jeden Abend zu Savas, wie das jeder Hip Hopper sollte…
Bin soeben im Netz über The Gender Genie gestoßen, eine Implementierung einer schon älteren, aber interessanten Theorie einiger israelischer Forscher, nämlich, dass das Geschlecht eines Autors anhand von Schlüsselworthäufigkeiten in seinen Texten ermittelt werden könne. Angeblich mit einer Zuverlässigkeit von ca. 80%.
2. For each appearance in the document of the following words ADD the number of points indicated:
‘the’ (17)
[...]
3. For each appearance in the document of the following words SUBTRACT the number of points indicated:
‘with’ (14)
[...]
4. If the total score (after adding and subtracting as indicated) is greater than the total number of words in the document, then the author of the document is probably a male. Otherwise, the author is probably a female.
Hier kann man das ganze testen, leider nur auf Englisch. Als Testcase habe ich jeweils einen Blogpost von John Gruber und Allie von Hyperbole and a Half genommen, Gender Genie hat sie beide richtig erkannt. Dieser Rant von Linus Torvalds wird allerdings fälschlich als weiblich gewertet…
Interessant ist auch die Liste der Schlüsselwörter, nach denen Gender Genie sucht (hier nur ein Ausschnitt):
Ich ahnte ja schon lange, dass die meisten höheren Programmiersprachen weiblich sind. </chauvi>
Mich würde interessieren, ob es dazu auch Forschung gibt, die das für andere Sprachen, vor allem natürlich Deutsch, erörtert hat. Im Netz habe ich dazu auf die Schnelle nichts gefunden. Wenn nicht: hat jemand Lust mit mir die Daten dafür zusammenzustellen und ein deutsches Gender Genie zu bauen?